Künstler-Friedhof Friedenau in der Stubenrauchstraße
Hier befinden sich u.a. die Gräber von Marlene Dietrich und Helmut Newton

Führungen mit Helmut Pohren-Hartmann werden auch 2005 regelmäßig stattfinden.
Termine werden hier noch bekannt gegeben.


marleneDer Künstlerfriedhof Friedenau steht unter Denkmalschutz. Der Friedhof besitzt kunsthistorisch einmalige Grabmale. Besonders zu erwähnen sind die Wandgräber der Familien Prowe und Hirt, die Grabanlage der Familie Möller sowie der Genius von Georg Kolbe auf dem Grab von Busoni.

Bis zum Jahre 1881 gab es in Friedenau keinen Friedhof. Die Toten wurden im Nachbarort Deutsch-Wilmersdorf beigesetzt. Da dem Friedhof im Nachbarort die Überfüllung drohte, musste der Gemeinderat von Friedenau nach einer neuen Lösung suchen. Für einen Friedhof wählte man eine freie Fläche am Hamburger Platz (heute Südwestkorso/Ecke Stubenrauchstraße). Diese Fläche war noch unbebaut und nach den alten Plänen von J.A.W. Carstenn (1822-1986) sollte hier ein Park als Gegenstück zum Perelsplatz angelegt werden. Gegen den Friedhof gab es Proteste der Hauseigentümer sowie des Bauvereins, denn man fürchtete die Grundstücke würden durch den Friedhof an Wert verlieren. Der Gemeinderat setzte sich durch und 1881 wurde dieser Friedhof angelegt. Im Jahre 1888 wurden die Friedhofskapelle und die Leichenhalle gebaut, später, zwischen 1916-17, kam das Kolumbarium von Hans Altmann dazu.

kolumbariumDas Kolumbarium war die erste auf Berliner Friedhöfen errichtete Urnenhalle und wurde nach den Plänen von Hans Altmann, Gemeindebaurat von Friedenau errichtet. In Friedenau wurden viele Bauwerke von ihm entworfen, unter anderem die Ruppin-Grundschule und Bobertal-Oberschule angrenzend zum Friedhof, aber auch das Fabrikgebäude der Askania-Werke in der Bundesallee 86-88 (Carl Bamberger) und das Rathaus Friedenau. So errichtete er auch die Friedhofskapelle und andere Bauten auf dem Güterfelder Waldfriedhof, der ab 1914 von der Gemeinde Friedenau als zweiter Friedhof genutzt wurde.

Ein Kolumbarium ist eine Urnenhalle, die mit Nischen in den Wänden als Abstellmöglichkeit für die Urnen versehen ist. Es besteht aus einem Unter- und Erdgeschoß. Das Erdgeschoß ist zu der Friedhofseite hin offen. Im Jahre 1923 wurden mehrere Urnen aus Edelmetall gestohlen. Die Spur führte zu einem Altmetallhändler in der Offenbacher Straße, dort konnten die Täter gefasst werden. In den neunziger Jahren wurden Teile der Nischen und Urnen durch Vandalismus von Jugendlichen zerstört. Immer wieder werden Wände und Urnentafeln mit Graffitis versehen, was aus Denkmalschutzgründen zu erheblichen Schäden führt.

Der Haupteingang des Friedhofes befindet sich am ehemaligen Hamburger Platz (bis 1931), auf diesem stand der Sintflutbrunnen von Paul Aichele, der sich heute auf dem Perelsplatz befindet.

Schon seit seiner Gründung war Friedenau aufgrund seiner besonderen städtebaulichen Lage ein Anziehungspunkt für Künstler, Wissenschaftler, Literaten und andere interessante Persönlichkeiten. Es gab zahlreiche Siedlungen im englischen Landhausstil mit Garten. Die Wohnungen waren gut belichtet und belüftet, für die damalige Zeit auch mit eigenem Bad ausgestattet. Die Dachgeschoßwohnungen waren als Ateliers ausgebaut. Als Zeichen der Repräsentation besaßen die Häuser einen geschmückten Vorgarten.
Im Amtsdeutsch heißt dieser Friedhof „städtischer Friedhof Schöneberg III“, die Berliner nennen ihn kurz „Künstlerfriedhof Friedenau“.

So lebten und wirkten in der Nähe des Friedhofes viele Persönlichkeiten.
Die Görresstraße ist nach dem großen Denker, Historiker und Herausgeber des „Rheinischen Merkurs“, Josef Görres (1776-1848) aus Koblenz benannt.

In der Görrestraße Nr. 12 lebte der Bildhauer Prof. Johannes Goetz (1865-?), der Kommerzienrat und Ehrenbürger von Friedenau Heinrich Sachs (1858-1922), der hier ein Pharmazeutische Fabrik hatte und der Bildhauer Eberhard Encke (1881-1936).
In der Nr. 16 lebten und arbeiteten der italienische Bildhauer Prof. Valentino Casal (1867- 1951), der Bildhauer Wilhelm Haverkamp (1864-1929), der Bildhauer Heinrich Miesfeld (1872-?), der Bildhauer Ludwig Isenbeck (1882-?) sowie der Bildhauer Georges Morin (1874-?). In der selben Straße Nr. 20 wirkten die Bildhauer Prof. Ludwig Manzel (1858-1936), Paul Hubrich (1869-1948) sowie Edmund Gomansky (1854-?)

In der Fehlerstraße Nr. 1, die parallel zum Friedhof verläuft, wohnten und arbeiteten der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck (1881-1919), in Nr. 7, der Reiseschriftsteller Hans Eberhard Friedrich 1907-1980). Zwischen der Fehlerstraße Nr. 8 und der Varziner Straße 16 ist die über die deutschen Grenzen hinaus bekannte Bildgießerei Hermann Noack seit 1899 ansässig. Hier wurden die Kunstwerke berühmter Künstler gegossen, so die von Henry Moore, Rainer Fetting, Luciano Castelli, Georg Kolbe, Rennée Sintenis, Käthe Kollwitz, Ernst Barlach, Wilhelm Lehmbruck u.v.m. Auch viele Medaillons und andere Kunstwerke auf dem Friedenauer Friedhof stammen aus dieser Gießerei.
Gegenüber des Haupteinganges Südwestkorso /Ecke / Stubenrauchstr. 47 wurden 1927 die Comedian Harmonists von Harry Frommermann, der hier eine Mansardenwohnung hatte, gegründet. In der Varziner Str. 9 wohnte der Maler Otto Müller (1874-1930), er gehörte zur Künstlergruppe „Die Brücke“.
Einer der ganz Großen, der in Friedenau (Albestr. 3) wohnte, war Max Bruch (1838-1920), Komponist und Ehrenbürger von Friedenau, er wurde aber auf dem alten Matthäus Kirchhof beigesetzt.

Es gibt noch andere bekannte Persönlichkeiten, die hier ihre letzte Ruhe fanden:
Die Schauspielerin Marlene Dietrich (1901-1992). Sie wurde in der Sedanstraße 53 (heute Leberstraße) in Schöneberg geboren. Mit ihrem ersten Ehemann Rudolf Sieber wohnte sie in den 20er Jahren in der Kaiserallee 54 (heute Bundesallee), hier wurde auch ihre Tochter Maria geboren. Ihre Mutter Josefine von Losch lebte bis Herbst 1945 in der Fregestraße 70, wo sie auch verstarb und hier auf dem Friedhof beigesetzt wurde. Es war der Wunsch von Marlene Dietrich, nach ihrem Tod neben ihrer Mutter beigesetzt zu werden. Dieser Wunsch konnte nicht erfüllt werden, da die Gräber neben ihrer Mutter bereits belegt waren. Ihr Grab liegt jedoch nur ein Steinwurf von dem ihrer Mutter entfernt. Am 16. Mai 1992 wurde sie als die wohl bekannteste Persönlichkeit hier beigesetzt. Entsprechend war auch der Andrang der Presse und der Neugierigen. Mehrere hundert Reporter- und Fernsehteams aus dem In- und Ausland belagerten den Friedhof und die Balkons der umliegenden Häuser. Begleitet von einer Polizeieskorte wurde der Sarg in einem offenen schwarzen Cadillac von dem Bestattungsinstitut Grieneisen in der Belziger Straße bis zum Friedhof gefahren. Auf dem Friedhof folgten dem Sarg die Tochter Maria, Freunde und Verwandte der Familie sowie Horst Buchholz, Hildegard Knef und Maximilian Schell. Für den Berliner Senat waren der Regierende Bürgermeister Diepgen und der Kultursenator Roloff-Momin vertreten. Jack Lang, der französische Kulturminister übermittelte Grüße. Grüße kamen auch von der europäischen Filmakademie in Paris. Der Berliner Senat unter E. Diepgen hatte Tage zuvor eine große staatliche Trauerfeier im Deutschen Theater angekündigt. Aus wahltaktischen Gründen, nämlich der Gewinnung von rechtsorientierten Wählerstimmen – die Berliner Abgeordnetenhauswahlen fanden eine Woche später statt – wurde diese Trauerfeier abgesagt.
Dies wurde in der internationalen Öffentlichkeit als Skandal empfunden.
Einer noch schnell einberufene Trauerfeier im Zeughaus blieb der Bürgermeister fern. Bei der Trauerfeier im Zeughaus sagte der Intendant Thomas Langhoff zur Presse:
„ Marlene war eine Weltbürgerin und für Berlin manchmal eine Nummer zu groß“. Erst unter dem Bürgermeister K. Wowereit wurde Marlene Dietrich postum zur Ehrenbürgerin von Berlin ernannt. Viel zu spät, wenn man bedenkt, wie viele Menschen täglich ihr zu Ehren den Friedhof besuchen. Heute schmückt ein schlichter Stein ihr Grab, hierauf die Inschrift: „Marlene“ und aus Theodor Körners Abschied vom Leben: „Hier steh` ich an den Marken meiner Tage“.

Auch andere bekannte Persönlichkeiten sind hier beigesetzt, so der große Komponist Feruccio Busoni. Die Akademie der Bildenden Künste beauftragte Georg Kolbe, eine Bronzestatue für sein Grab zu erstellen. Einige seiner Opern, die heute noch aufgeführt werden sind: „Doktor Faustus“, „Turandot“ und „Arlecchino“. Seine Klavierwerke und Streichquartette sollten auch nicht vergessen werden. Er leitete die Meisterklasse für Komposition an der Preußischen Akademie der Künste. Dort war sein bekanntester Schüler Kurt Weill. Sehr eng befreundet war er mit dem finnischen Komponist Jean Sibelius. Seine Wohnung befand sich am Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg, sie war ein Treffpunkt von Kulturschaffenden aus der ganzen Stadt.

Auf dem Künstlerfriedhof Friedenau sind ebenso bestattet:
Der Theaterregisseur Rudolf Noelte, der an allen großen deutschsprachigen Bühnen Zuhause war. Seinem Sarg folgten sehr viele Kollegen vom Theater. Auch Herbert Grünbaum Staatsschauspieler nicht zu vergessen, der aus Deutschland emigrieren musste und in Tel Aviv das Kammertheater gründete. Wieder in Deutschland zurück arbeitete er am Berliner Ensemble und Schillertheater.
Dann die bekannte Malerin Jeanne Mammen und Gerda Rotermund, die neben Rennée Sintenis und Hanna Hösch zu den bekanntesten Malerinnen Deutschlands gehören. Des Weiteren die Schriftstellerin Dinah Nelken, die mit ihren Büchern Millionenauflagen erreichte und deren Bücher verfilmt wurden. Da sind noch Paul Zech, der sozialkritische Schriftsteller zu nennen, der in der Zeit der Nationalsozialisten nach Argentinien emigrieren musste und dort verstarb. Für den technischen Bereich ist Carl Bamberger zu nennen, der Erfinder des Flüssigkompass` und vieler optische Geräte sowie der Erfinder des Schlitzverschluss`, Ottomar Anschütz. Ohne ihn wäre heute kein Fotoapparat denkbar. Außerdem sind hier bestattet: Der Jurist Eberhard Grabitz, der Professor an der Freien Universität war und Öffentliches Recht und Europa-Recht lehrte. Er hat viele Standardwerke für Juristen zu diesen Themen herausgegeben.
Auf diesem Friedhof sind auch Persönlichkeiten und Ehrenbürger aus dem alten Friedenau bestattet. Sie finden hier das Grab von Paul Vetter, er war nicht nur als Pfarrer und Superintendent von Friedenau bekannt, sondern er war auch Mitstreiter der Bekennenden Kirche. In seiner Kirchengemeinde „Zum guten Hirten“ war er in der Zeit des Nationalsozialismus ein entschiedener Gegner des Pfarrers Nobling, der auch in dieser Gemeinde tätig war und als einer der schlimmsten Vertreter und Wortführer der „Deutschen Christen“ auftrat. Die „Deutschen Christen“ wurden von den Nationalsozialisten gegründet mit dem Ziel, die Bibel in ihrem Sinne zu interpretieren.
Da sind noch der Eichmeister und Friedenauer Gemeindeschöffe Adolf Fehler, das Familien Grab Roenneberg und die Gräber der Architekten und Bauräte R. Draeger, W. Haeger und P. Kunow u.v.m.

Viele Gräber bekannter Persönlichkeiten sind mittlerweile eingeebnet oder neu belegt. Elf Gräber sind als Ehrengräber ausgewiesen und werden von der Stadt Berlin erhalten und gepflegt.

Der Künstlerfriedhof Friedenau steht unter Denkmalschutz. Der Friedhof besitzt kunsthistorisch einmalige Grabmale. Besonders zu erwähnen sind die Wandgräber der Familien Prowe und Hirt, die Grabanlage der Familie Möller sowie der Genius von Georg Kolbe auf dem Grab von Busoni.

Übernahme von Patenschaften
Es gibt die Möglichkeit, eine historisch wertvolle Grabanlage käuflich zu erwerben mit der Auflage, diese Anlage als Denkmal zu erhalten. Im Todesfalle wird man dort beigesetzt.
Ein gutes Beispiel dafür ist das Wandgrab der Familie Metz. Dieses Grab wurde weiterverkauft mit der Auflage, es zu restaurieren. Auf diese Weise bleiben die Gräber der Nachwelt erhalten.
Der Friedhof befindet sich in einem sehr guten Zustand, die Wege und Anlagen sind gepflegt, dies liegt in der Verantwortlichkeit der Friedhofsverwaltung. Viele Besucher kommen täglich auf den Friedhof, sie kommen von überall her. Die meisten besuchen die Gräber ihrer Angehörigen, viele in- und ausländische Besucher werden von dem Grab Marlene Dietrichs angezogen, andere nutzen den Friedhof als Park. Er ist eine Oase der Ruhe, fern ab von der Hektik der Großstadt.

(Helmuth Pohren-Hartmann, regelmäßige Friedhofsführungen)



Lageplan Friedhof und Marlenes Grab

www.historischefriedhoefeberlin.de